Was erwartet die Menschen in der Zukunft?

Das Orakel - ein Ritual mit Geschichte

Entscheidungshilfe von höherer Instanz

OrakelJede Kultur hat ihre Orakel hervorgebracht, denn schon immer wollten die Menschen gerne wissen, was sie in der Zukunft erwartet. Das Orakel basiert auf der Offenbarung einer höheren, häufig göttlichen Instanz. Als Vermittler zwischen den Menschen und eben jener Instanz fungiert eine Person, der die Fähigkeit zugesprochen wird, göttliche Signale auffangen und interpretieren zu können. Dieses Medium appelliert an die höhere Instanz und stellt Fragen über die Zukunft oder bittet um Entscheidungshilfe. Die empfangenen Zeichen werden dann ausgelegt und dienen den Menschen als Rechtfertigung für ihr zukünftiges Handeln.
Beim Hellsehen trifft eine Person, die von sich behauptet, in die Zukunft sehen zu können, aus sich heraus die Voraussagen. Im Unterschied dazu wird beim Orakel immer eine höhere Instanz um die Beantwortung von Fragen gebeten. Diese Initiative, dass Menschen die Götter um Entscheidungshilfe bitten, unterscheidet das Orakel von der Prophezeiung. Ein Prophet verkündet seine Zukunftsandeutungen ungefragt und ungebeten. Berühmte Beispiele für ein Orakel sind das Orakel von Delphi und das chinesische I Ging Orakel.

Viele Hochkulturen haben ein Orakel hervorgebracht


Im antiken Griechenland war das Orakel von Delphi die wichtigste Kultstätte der hellenistischen Welt und befand sich am Hang des Parnass bei der Stadt Delphi. Und so spielte sich eine Befragung des Orakels von Delphi ab: Ob an diesem Tag das Orakel überhaupt sprechen würde, entschied vor der Prozedur das Omen. Eine junge Ziege wurde mit eiskaltem Wasser bespritzt. Blieb die Ziege dabei ungerührt, fiel das Orakel an diesem Tag aus.  Zuckte sie aber zusammen, wurde das Tier geschlachtet und als Opfer verbrannt. Die Priesterin Pythia, die als Medium fungierte, unterzog sich einer rituellen Waschung in einer heiligen Quelle, bevor sie im Apollontempel am Altar der Hestia austretende Dämpfe einatmete. Diese versetzten sie in Trance und die Weissagungen begannen. Das Orakel, das sie dann von sich gab, musste aber noch entschlüsselt und interpretiert werden.
Im alten China diente das I Ging, ein Buch über Kosmologie und Philosophie, als Orakel. Darin wurde die Welt in 64 Bildern beschrieben, die aus Hexagrammen bestanden. Die Grundidee war, dass sich alle Gegensätze in Balance befinden und Veränderungen akzeptiert werden sollen. Das Buch wird bis heute als Orakel befragt.
Heute befragt kaum jemand ernsthaft ein Orakel, um sich Anregungen für zukünftige Entscheidungen geben zu lassen. Trotzdem wird mit diesen überlieferten Ritualen noch hantiert, sei es mit Orakel- oder Wahrsagekarten oder mit Orakel-Programmen im Internet. Am bekanntesten sind die Tarot-Karten, die in vielen verschiedenen Ausführungen als Orakel genutzt werden.

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